Wilde Liesl Damen Jagdhose Hochsitz Fernglas

Warum passen Jagdhosen für Frauen so oft nicht?

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an eines meiner Musterstücke bei der Entwicklung meiner Jagdhose „Liesl“.

Es sollte eine Größe 40 sein.

Ich habe versucht, hineinzuschlüpfen – keine Chance.

Nicht „etwas knapp“. Nicht „sitzt vielleicht ein bisschen eng“. Ich bin schlicht nicht vernünftig hineingekommen. Am Ende hat mir eine 46 „gepasst“. In Anführungszeichen.

Denn natürlich war auch das keine wirklich passende Hose. Aber immerhin konnte ich sie anziehen.

Und irgendwann fragt man sich dann schon: Was zur Hölle?

Schon vor der Entwicklung von Liesl hatte ich immer wieder Schwierigkeiten, eine Jagdhose zu finden, die wirklich gut saß. Mal war der Bund zu eng, mal waren die Oberschenkel zu knapp, mal war die Hose viel zu lang. Und besonders ärgerlich: Eine Hose konnte im Stehen noch ganz okay passen, aber spätestens nach drei Stunden Ansitz war klar, dass sie eigentlich überhaupt nicht passte und ich mit offener Hose dasaß.

Ich dachte lange, dass das vielleicht einfach mein persönliches Problem ist.

Also habe ich angefangen, mit anderen Jägerinnen darüber zu sprechen.

Und siehe da: Das geteilte Leid war groß.

Die eine fand keine Hose, die an Hüfte und Taille gleichzeitig passte. Die nächste kaufte grundsätzlich Herrenhosen, weil sie mit den Damenmodellen nicht zurechtkam. Andere hatten Probleme mit der Länge, dem Bund, den Oberschenkeln oder schlicht damit, dass die Hose beim Sitzen unbequem wurde.

Das konnte doch kein Zufall sein.

Also habe ich irgendwann eine Umfrage unter Jägerinnen gemacht und ganz konkret gefragt: Was stört euch eigentlich an Jagdhosen? Was fehlt euch? Und was müsste eine gute Jagdhose für euch können?

Die Antworten haben mein Gefühl ziemlich deutlich bestätigt.

Das größte Problem: die Passform

Was in den Antworten immer wieder auftauchte, war die ganz grundsätzliche Frage nach der Passform: Zu lang. Zu kurz. Am Bund zu eng, an den Oberschenkeln zu weit – oder genau andersherum.

Eine Teilnehmerin schrieb, dass sie bei einer größeren Größe zwar mehr Platz an der Hüfte bekam, dafür die Beine extrem weit wurden. Eine andere beschrieb das Problem genau umgekehrt: Wenn die Hose am Oberschenkel passte, war der Bund zu weit.

Und das ist eigentlich der Kern des Problems: Eine andere Größe löst nicht automatisch einen schlechten Schnitt.

Eine Antwort ist mir dabei besonders im Kopf geblieben:

„Männerhosen sitzen meistens besser. Vor allem im Schritt.“

Und genau da wird es interessant.

Denn eine Jagdhose muss nicht nur irgendwie an den Körper passen. Sie muss mit ihm funktionieren.

Eine Jagdhose muss sitzen – auch wenn man sitzt!

Und genau beim Sitzen zeigt sich oft, ob eine Hose wirklich passt. Frauen sind keine standardisierte Konfektionsgröße. Vielleicht liegt genau hier ein Teil des Problems. Wir sprechen bei Kleidung ständig über Größen: 38, 40, 42, 44 …

Eine Größe ist deshalb noch lange keine Passform.

Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Aufgabe bei einer Damen-Jagdhose: Nicht einfach eine Zahl auf ein Etikett zu schreiben, sondern einen Schnitt zu entwickeln, der unterschiedlichen weiblichen Proportionen und den tatsächlichen Anforderungen bei der Jagd Rechnung trägt.

Und dann habe ich angefangen, meine eigene Jagdhose zu entwickeln

Spätestens bei der Entwicklung von Liesl wurde mir klar, dass das Problem noch an einer ganz anderen Stelle liegen kann.

Diejenigen, die Schnitte entwickeln, arbeiten oft an ganz unterschiedlichen Bekleidungsstücken und müssen entsprechend viele verschiedene Anforderungen abdecken. Sie wissen nicht zwangsläufig, wie sich eine Hose bei der Jagd tatsächlich bewegen, sitzen oder verhalten muss.

Und eine Jagdhose kann an einem Model hervorragend aussehen und trotzdem für die Jagd völlig ungeeignet sein.

Was passiert, wenn ich drei Stunden auf einem Ansitzstuhl sitze? Was passiert beim Hinhocken oder wenn ich mich nach vorne beuge? Wo zieht der Stoff? Wo rutscht der Bund?

Genau deshalb wollte ich meine Musterstücke selbst anprobieren – und musste mich dafür tatsächlich auch einsetzen. Ich wollte sie selbst tragen, mich hinsetzen, aufstehen, hinhocken und mich darin bewegen.

Und manchmal bedeutete das auch, ein Musterstück anzusehen und zu sagen:

„Nein. Das funktioniert so nicht.“

Nicht, weil es auf dem Papier falsch war. Sondern weil es an einer echten Jägerin im echten Einsatz nicht funktioniert hat.

Was ich daraus mitgenommen habe: 

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigt und selbst an Liesl gearbeitet habe, desto klarer wurde mir: Ein guter Schnitt muss berücksichtigen, wie Frauen gebaut sind – und wie sie sich bei der Jagd bewegen.

Genau das war der Anspruch, mit dem ich Liesl entwickelt habe.

Und vielleicht ist das auch die Antwort auf die Frage, warum so viele Frauen bei der Suche nach einer Jagdhose irgendwann frustriert aufgeben:

Nicht der Körper muss in die Hose passen. Die Hose muss zum Körper und zu dem passen, wofür sie gemacht ist.

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